Heike Henoch – Education Management der Wuppertaler Bühnen

Ein Besuch an ihrem Arbeitsplatz im Opernhaus Wuppertal

Wir haben uns mit Heike Henoch, der Managerin des Education Teams des Sinfonieorchesters, im Wuppertaler Opernhaus getroffen, wodurch wir die tolle Möglichkeit hatten ein Interview mit ihr führen zu können. Frau Henoch gab uns einen kleinen Einblick, wie das Orchester probt. Interessant ist zum Beispiel, dass es nur wenige Proben mit dem ganzen Orchester vor einem Auftritt gibt, aber diese dann bis zu 3 Stunden, inklusive Pause, dauern können. Insbesondere die Vorbereitungen für den Sommernachtstraum von Mendelssohn-Bartholdy liefern uns einen Einblick in das Geschehen. Die Möglichkeit, die wir am CFG haben, Teil dieses großen Ganzen zu sein, öffnet uns die Türen zu einer neuen Welt. Denn wir haben die besondere Möglichkeit mit den professionellen Musikern zu spielen und diese eventuell sogar besser kennen zu lernen. Solche Aktionen können uns Schülern helfen einen genaueren Einblick in diesen Teil der Musik zu bekommen, denn wir können damit verstehen was in der Musik passiert und wie dies ausgedrückt wird. Somit kann die Musik jeden Einzelnen von uns mit in ihren Bann ziehen und etwas in uns bewirken.

 

Schüler: Sie und das Education Team arbeiten unentwegt mit und in Schulen. Auch unsere Schule hat davon schon mehrfach profitiert, beispielsweise durch Besuche von Solisten in unserem Musikunterricht oder jetzt gerade beim Sommernachtstraum. Was ist für Sie die Motivation eine solchen organisatorischen Aufwand in Kauf zu nehmen, wenn die Arbeit so weit über das übliche Pensum hinausgeht und auch Ihre Freizeit beansprucht?

Frau Henoch: Nicht nur wir als Education Team, sondern auch das ganze Orchester ist an dieser Arbeit sehr interessiert, dass im gesamten Bereich der Musikvermittlung und kulturellen Bildung richtig was passiert, nicht nur ein bisschen. Da sind die Musiker oftmals bereit viel private Zeit und  viel private Kraft zu investieren. Aber so können solche Aktionen und letztendlich auch ein Wandel in der Musikvermittlung stattfinden. Natürlich geht es auch nicht ohne zusätzliches Engagement von Seiten der Lehrer, da so vieles deutlich einfacher koordiniert werden kann. Bei euch ist vieles schon super aufgestellt, auch zum Beispiel, dass Schüler verschiedener Altersklassen ganz vielseitig an dem Projekt eingebunden sind. Ein solches Interesse zu wecken ist genau das, was wir wollen.

Schüler: Was mögen Sie an dem musikalischen Stück „Sommernachtstraum“? Verbinden Sie persönlich etwas mit dem Sommernachtstraum und haben Sie vielleicht eine Lieblingsstelle in dem Stück?

Frau Henoch: Oh, das ist ganz schwierig, die ändern sich nämlich immer, die Lieblingsstücke und -stellen. Den Sommernachtstraum habe ich in meinem ersten Studiensemester sehr intensiv bearbeitet. Ich wollte damals die Unterschiede im Umgang mit Schauspielmusik zwischen der britischen und deutschen Musikwissenschaft am Beispiel des Sommernachtstraums untersuchen. Da sagte mein Dozent: „Das ist schön, aber das können Sie sich für Ihre Abschlussarbeit aufheben.“. Die Ouvertüre kennt jeder und sie bringt viele Emotionen mit. Meine Lieblingsstellen ändern sich aber immer und gerade deshalb bin ich froh, dass jetzt auch mal das ganze Stück gespielt wird, was schon besonders ist – oftmals werden nämlich nur Teile davon gespielt. Das ganze Werk live zu hören wird sicherlich schön.

Schüler: Also ist für Sie der Sommernachtstraum schon ein außergewöhnliches Stück?

Frau Henoch: Auf jeden Fall. Zum einen war der Komponist, Felix Mendelssohn, sehr jung als er die Ouvertüre geschrieben hat. Mit 17 Jahren eine so eigene Ausdrucksweise in der Musik zu haben zeugt von einem außergewöhnlichen Talent. Auch im Vergleich zu anderen großen Komponisten wirkt Mendelssohn da besonders. Zudem ist der Sommernachtstraum eine Schauspielmusik, eine Gattung, die eher selten ist. Der Sommernachtstraum hat somit die Musikgeschichte geprägt. Dort treffen eben zwei Künste aufeinander, die Musik und das Schauspiel und bei euch wird ja durch die Schülerbeteiligung auch grade das Schauspiel sehr facettenreich präsentiert. Mendelssohn war fasziniert von Shakespeares Werl und hat sich im Laufe der vielen Jahre und der Beschäftigung damit sehr weiterentwickelt, aber ist seinem musikalischen Stil treu geblieben. Er hätte sich als Inspiration mit Sicherheit ein wesentlich leichteres Stück aussuchen können. Ich denke, mit dem musikalischen Stück muss man sich erstmal auseinandersetzen, bis man es in allen Feinheiten verstehen kann. Jedes Stück für sich birgt irgendwie Außergewöhnliches.

Schüler: Halten Sie also den Sommernachtstraum für eine Art „Allgemeinbildung“, die jeder haben sollte?

Frau Henoch: Das ist wieder eine schwierige Frage. Das Werk von Shakespeare gehört mit Sicherheit in diesen Kanon “was wichtig ist“. Wenn man es dann noch mit dieser traumhaft schönen Musik zusammennimmt, gewinnt es meiner Meinung nach unheimlich. Es ist einfach eine Erfahrung, wenn beide Komponenten, also Shakespeare und Mendelssohn zusammen kommen. Unter den Musikern ist gerade die Ouvertüre ein Stück, das bestimmt jeder schon mindestens einmal gespielt hat. Und unser Orchester mag das Stück auch und es wird oft zumindest in Teilen aufgeführt. Es gibt so viele tolle, große Stücke und ich finde, es ist unglaublich schwierig da so eine „Hitliste“ aufzuführen. Auf Schulseite kommt man besonders in der Oberstufe, auch wenn man es nur kurz behandelt, an Shakespeare nicht vorbei. Und wenn man dann die Gelegenheit hat dazu diese Musik zu machen, da geht mir ein bisschen das Herz auf. Ich finde es schön, dass bei euch an der Schule das auch so gepflegt wird, weil leider in vielen Schulen der Musikunterricht einfach zu kurz kommt. Ich glaube fest daran, dass solche Musik den Horizont ungemein erweitern kann und auch den Musik- oder Literaturgeschmack verändert, besonders wenn man sich in jüngeren Jahren damit beschäftigt. Ich denke, wer sich einmal näher mit dem Stück oder klassischer Musik generell beschäftigt hat, sei es auch nur in Ausschnitten, der bemerkt erst dann, was für eine komplexe Welt dahintersteckt. Mich hat schon früher begeistert, was für eine Fülle hinter jedem Werk eigentlich steckt. Unser Ziel ist natürlich, dass die jüngeren Leute, die sich einmal mit einem Stück auseinander gesetzt haben, Bock haben weiter zu machen und sich weiter mit Kunst und Musik auseinander setzen. Für uns als Orchester ist es wunderschön, wenn nach einem Konzert Schüler kommen und sagen „Ich habe vielleicht bei weitem noch nicht alles verstanden und mir hat vielleicht nicht alles gefallen, aber mich interessiert es, darüber weiter nachzudenken!“. Damit ist schon ein großer Teil unserer Arbeit geschafft, wenn das Interesse geweckt worden ist.

 

Wir beide sind begeistert davon, in welch lockerer Atmosphäre Frau Henoch uns unsere Fragen beantwortet hat und wir beide konnten sehr viel aus diesem Gespräch mitnehmen. Wir freuen uns nun noch mehr auf die weiteren Arbeiten, Proben und Besprechungen, die am Ende zu einer sicherlich beeindruckenden Aufführung führen werden.